Eigene Texte

Es ist ein wenig bitter, seine Arbeit anbieten zu müssen, ohne eine Möglichkeit zu bekommen, damit etwas zu verdienen. Als ich mit prolysarik angefangen habe, gab es noch die Möglichkeit, daß bei Youtube Werbung dazu gezeigt werden konnte. Mir war von Anfang an klar, daß damit keine Reichtümer zu verdienen sind, zumindest für mich nicht, denn was ich mache, spricht eher kein Massenpublikum an. Um Reichtümer ging es mir aber auch nie.

Youtube hat seine Richtlinien geändert, ab wann Werbung zu einem Video gezeigt wird, und ich erachte es als illusorisch, daß ich die gesetzte Hürde jemals werde nehmen können. Insofern bleibt mir nur die Möglichkeit, meine Arbeit ohne jede Aussicht anzubieten, jemals damit einen finanziellen Erfolg erzielen zu können, noch nicht einmal einen kleinen.

Lange habe ich mich als Reaktion darauf verweigert. Wenn ich nichts dafür kriege, dann zeige ich auch meine Arbeit nicht! Da ich aber nicht von der kinetischen Typographie lassen wollte, habe ich nur fremde Texte animiert. Von solchen Gegenmaßnahmen bekommt Youtube vermutlich gar nichts mit, und wenn doch, dann ist es denen herzlich egal. Insofern habe ich mich durch meine Verweigerungshaltung vor allem selbst bestraft.

Gut zu sprechen bin ich auf Youtube noch immer nicht, auch wenn ich anerkenne, daß es eine tolle Leistung ist, wie allen anderen auch mir die weltweite Veröffentlichung von Videos zu ermöglichen.

Nun habe ich mich dazu entschlossen, meine Verweigerungshaltung aufzugeben und nun doch wieder auch eigene Texte zu animieren. Denn in der Produktion der Filme kommt eigentlich alles zusammen, was beruflich in meinem Leben eine Rolle spielt: Ich verfasse Texte, ich programmiere, ich gestalte typografisch und arbeite mit bewegten Bildern. Ich denke, das ist genau mein Ding! Daß ich die Texte dazu auch noch sprechen muß, nehme ich eher als notwendiges Übel in Kauf.

Marcus Daniel Cremer (10. Oktober 2019)